Zwischen Innovation und alltäglichem Kleinkrieg
Aus dem IAT-Report des Wissenschaftszentrums Nordrhein-Westfalen
Die IT-Branche stellt eine Art Leitbranche für Arbeit in der Wissensgesellschaft dar, die für die ökonomische Entwicklung in Deutschland eine wichtige Rolle spielt. Die in dieser Branche üblichen Anforderungen an die Beschäftigten hinsichtlich Flexibilität, Eigenverantwortung, Arbeitseinsatz und Entlohnung sind Orientierungen, die auf andere Wirtschaftsbereiche ausstrahlen und zunehmend das Verständnis von Arbeit prägen. Charakteristisch für die IT-Branche ist die Projektarbeit. Projekte sind die typische Organisationsform bei der Softwareentwicklung, die im Vergleich zu traditionellen Arbeitsformen ausgezeichnet ist durch eine Reihe von Merkmalen:
• Die Arbeitsaufgaben sind eher unstrukturiert und wenig routinisiert. Lösungswege für die bearbeiteten Probleme sind bei Projektbeginn nicht im Einzelnen bekannt.• Die Projektspezifikation ist selten abschließend; in der Bearbeitung und im Kontakt mit dem Kunden ergeben sich neue Anforderungen, die berücksichtigt werden müssen.
• Die Kooperation in den Projektgruppen findet nicht dauerhaft statt, wie z.B. in Gruppen im Fertigungsbereich, sondern sie ist temporär und problembezogen.
• Die Mitarbeiter sind häufig für mehrere Projekte oder Aufträge gleichzeitig zuständig und müssen ihren Arbeitseinsatz individuell koordinieren.• Durch erweiterte Kooperationsbeziehungen z.B. zu Kunden gibt es nicht selten über formale Weisungsstrukturen hinausgehende Abhängigkeiten, etwa bei Informationen oder notwendigen Vorarbeiten.
Auf den Punkt…
• Wissensarbeit im IT-Bereich ist keineswegs so gesund, wie lange Zeit vermutet. Widersprüchliche Arbeitsanforderungen, überlange Arbeitszeiten und Leistungsdruck machen zunehmend mehr IT-Spezialisten krank.• Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den untersuchten Softwareentwicklungs und -beratungsprojekten litten bis zu viermal häufiger unter psychosomatischen Beschwerden wie chronischer Müdigkeit, Nervosität, Schlafstörungen und Magenbeschwerden als der Durchschnitt der Beschäftigten in Deutschland.
• Stressphasen von mehr als 8 Wochen führten zu einer Zunahme chronischer Erschöpfung – einem Frühindikator für Burnout –, rund 40% der Befragten wiesen deutliche Anzeichen dafür auf. Etwa 30% hatten zudem Probleme damit, sich zu erholen.• Maßnahmen auf der Organisations- und Führungsebene der Unternehmen sind notwendig, um hier Abhilfe zu schaffen.
Zum Report http://www.iatge.de/iat-report/2006/report2006-04.html
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